Niri + DMS - Scrollable Tiling auf openSUSE
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Erinnerungen an Compiz Fusion
Ich bin Anfang der 2000er als Teenager zu Linux gekommen, und was mich damals wirklich fasziniert hat, war die schiere Möglichkeit, alles anzupassen. Alles war customizable, alles war irgendwie hackbar. Und das coolste was man damals seinem Freunden zeigen konnte war Compiz Fusion mit dem rotierenden 3D-Cube, Fenster die beim Minimieren wegbrennen und Wassertropfen-Effekte auf dem Desktop. Das war krass.
Heute bekommst du mit GNOME, KDE oder Cosmic wirklich schicke Desktop-Umgebungen out of the box, die sich kein normaler Mensch mehr zusammenbasteln muss. Das ist gut. Aber es ist auch irgendwie… Naja irgendwie habe ich das Spiel durchgespielt.
Und dann stößt man auf niri und die DankMaterialShell, und dieses alte Gefühl kommt wieder.
Was ist niri?
Niri ist ein Wayland Compositor, bei dem Fenster nicht in einem Grid angeordnet werden, sondern auf einem unendlichen horizontalen Streifen nach rechts scrollen. Windows werden in Spalten angeordnet, und wenn du ein neues Fenster öffnest, schiebt das nichts anderes weg. Jedes Fenster bekommt seinen Platz, du scrollst einfach rüber.

Das klingt auf den ersten Blick vielleicht seltsam, aber es fühlt sich nach wenigen Minuten extrem natürlich an. Besonders auf einem Laptop, wo du keyboard-driven arbeitest, ist das Konzept wirklich durchdacht. Du navigierst mit Tastenkombinationen zwischen Fenstern und Spalten, scrollst durch deinen Workspace und verlierst nie den Überblick wo was ist.

Niri bringt außerdem mit:
- Dynamische Workspaces wie in GNOME, vertikal angeordnet
- Einen Overview-Modus der alles herauszoomt
- Eingebautes Screenshot-UI
- Touchpad-Gesten
- Gradient-Borders mit Animations-Support
- Live-reloading der Config
- Floating Windows
- Xwayland-Support via xwayland-satellite
Für einen Compositor der von Grund auf neu in Rust geschrieben wurde, ist das schon beeindruckend ausgereift. Viele Leute nutzen niri bereits als daily Driver.
Was ist die DankMaterialShell?
Niri allein ist nur der Compositor. Du brauchst noch alles drum herum: ein Panel, Notifications, einen Launcher, Lock Screen, Audio-Controls und so weiter. Normalerweise bastelst du dir das selbst aus waybar, mako, fuzzel, swaylock und ein paar Shell-Skripten zusammen.
DankMaterialShell macht das überflüssig. Es ist eine komplette Desktop Shell für Wayland, gebaut mit Quickshell und Go, und sie ersetzt all diese Einzelteile auf einmal. Du bekommst:
- Ein sauberes, modernes Panel
- Dynamisches Theming basierend auf deinem Wallpaper via Matugen, das automatisch GTK, Qt, Terminals einfärbt
- Einen Spotlight-artigen Launcher für Apps, Dateien und Rechner
- Ein Control Center für Netzwerk, Bluetooth, Audio und Display-Einstellungen
- Notifications mit Grouping und Keyboard-Navigation
- Session Management mit Lock Screen und Idle Detection
- MPRIS Media Controls, Kalender, Wetter und Clipboard-History
- Ein Plugin-System mit eigenem Registry
Und das schöne: direkt nach der Installation sieht das alles schon sehr gut aus. Du musst nicht erst stundenlang konfigurieren damit es ordentlich aussieht. Es ist clean und nice von Anfang an.
Installation auf openSUSE Tumbleweed
Hier kommt der Teil, der mich wirklich beeindruckt hat. Normalerweise bedeutet “Tiling WM einrichten” auf Linux ein Wochenend-Projekt mit viel Dokumentation-Lesen und Trial-and-Error. Auf openSUSE Tumbleweed geht das mit einem einzigen Befehl:
curl -fsSL https://install.danklinux.com | sh

Das Installer-Script erkennt openSUSE, installiert niri, die DankMaterialShell und alle Abhängigkeiten automatisch. Danach meldest du dich ab, wählst beim Login niri als Session aus, und du bist drin.

Das war es. Kein manuelles Waybar-Config schreiben, kein Fuzzel einrichten, kein Swaylock zusammenpfriemeln. Einfach fertig.
Wie fühlt sich das an?
Das scrollbare Tiling-Konzept von niri braucht vielleicht zwei, drei Stunden um rein zu kommen. Danach will man nicht mehr zurück. Fenster öffnen ohne dass sich das Layout verschiebt, durch einen breiten horizontalen Workspace zu navigieren, alles keyboarddriven zu steuern — das macht auf einem Laptop wirklich viel Sinn.
Die DankMaterialShell sieht dabei direkt frisch und modern aus. Das Material-Design-Theming ist geschmackvoll umgesetzt, nicht überladen. Und wenn man dann noch das Tweaking-Menü aufmacht, merkt man wie viel Spielraum da steckt. Farben, Layouts, Widgets, alles anpassbar. Entweder über das grafische Menü oder direkt in Config-Dateien.
Fühlt sich an wie vor 15 Jahren.
Für wen ist das was?
Wer schon immer mal einen Tiling Window Manager ausprobieren wollte, aber der Einstieg immer zu aufwändig war — das hier ist der einfachste Weg den ich kenne. Eine Sache in die Konsole tippen, neu einloggen, fertig.
Wer auf Tastatur-Navigation steht, viele Fenster gleichzeitig offen hat oder einfach mal wieder etwas anderes auf dem Desktop haben will als das übliche GNOME oder KDE Setup — niri mit DankMaterialShell ist einen Blick wert.
Quellen: